Deutsche Amateurmeisterschaft



Nach einer kleineren Krise konnte ich endlich wieder ein Turnier überzeugend gestalten.
Die folgende Partie brennt zwar taktisch kein großes Feuerwerk ab, ist aber strategisch sehr interessant
und wer mehr über den Leningrader lernen möchte sollte sie sich auch unbedingt anschauen.











(1) Schroeder,V (2144) - Schmuecker (2260)
Ramada-Open, 2006

1.Sf3 f5 2.g3 Sf6 3.Lg2 g6 4.b3 Lg7 5.Lb2 d6 6.d4 Sonst folgt bereits ...e5 6...0-0 7.0-0 De8 Die weisse Eroeffnungswahl ist recht populaer und stellt eine sehr ruhige und sichere positionelle Herangehensweise dar. Mir war vor der Partie bereits klar, das die Partie in diesen Bahnen verlaufen wird, und das mein Gegner nicht sehr aggressiv agiert. 8.Sbd2 Sa6 Kindermann empfiehlt 8...Sc6, aber der Textzug gefaellt mir besser. 9.c4 Tb8 Im Leningrader ist es fuer beide Seiten schwierig zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Plaene zu finden. Der uebliche schwarze Koenigsangriff mit h6-g5 ist hier noch zu riskant, weil Weiss sehr gut im Zentrum aufgestellt ist. Daher ist der Plan b7-b5 um zunaechst die Lage am Damenfluegel zu klaeren angebracht. Spaeter kann immer noch ueber h6-g5 usw. nachgedacht werden. 10.a3 [ 10.Dc2 b5!? Eine Idee von GM Lutz der auf c7-c6 verzichtet, um spaeter mit c7-c5 ein Tempo zu gewinnen. 11.cxb5 Dxb5 12.Dc4+ Dxc4 13.Sxc4 c5! Die Eroeffnungsprobleme sind geloest und Schwarz kaempft bereits um Vorteil. 14.Tac1 Se4 15.dxc5 Lxb2 16.Sxb2 Saxc5 17.Sc4 La6= Ist nur ein kleines Beispiel.] 10...b5 11.Dc2 c6 Weiss hat hier die beste Aufstellung gegen die schwarze Idee gefunden und der geplante Doppelschlag bxc4/c7-c5 ist hier zwar auch spielbar, aber eben nicht so wirkungsvoll. Der Bauernzug raeumt das Feld c7 fuer den Springer und bereitet somit bxc4 vor. [ 11...bxc4 12.Sxc4 c5 13.Tfd1 Lb7~~ sieht spielbar aus, aber die Spannung auf c4 ist aufgehoben.] 12.Tac1 Die Idee e2-e4 ist momentan nicht durchfuehrbar, daher kann Schwarz sich normal weiterentwickeln. [ 12.Tae1 ist die Hauptvariante. 12...bxc4 13.Sxc4 ( 13.Dxc4+ Sd5 14.Sg5 Sac7~~ ) 13...Sc7! Die Pointe von 11...c6. Schwarz kommt zur sofortigen Ueberfuehrung des Randspringers ins Zentrum, waehrend es Weiss nicht gelingt, die Schwaeche c6 auszubeuten. 14.Sa5 Ld7 15.Tc1 Scd5 16.b4 ( 16.Sxc6? Tc8 ) 16...Tc8~~ ; 12.e4? fxe4 13.Sxe4 Sxe4 14.Dxe4 bxc4 und wegen dem ungedeckten Lb2 geht Material verloren.; 12.Tab1?! Damit kann Weiss ebenfalls nicht e4 vorbereiten, da am Ende ein Spiess durch Lf5 folgt.] 12...Ld7 Im Vergleich zur Variante 12.Tae1 kann Schwarz hier wegen bxc4 Dxc4+ und Springerverlust nicht mehr so schnell auf c4 nehmen. Ich wollte aber so lange wie moeglich die Spannung auf c4 halten und hatte daher gar nicht vor auf c4 zu schlagen. 13.La1 h6 Am Damenfluegel kann weiter nichts verstaerkt werden, daher wird jetzt der Koenigsangriff vorbereitet. 14.Se1 Ueberfuehrt den Springer nach d3 und legt die Sicht fuer den Lg2 frei. [ 14.e4 War sehr zu ueberlegen. 14...fxe4 15.Sxe4 Sxe4 16.Dxe4 bxc4 17.bxc4 c5= ] 14...Df7?! Dank des geschlossenen Charakters der Stellung (noch alles auf dem Brett) ist der kleine Zeitverlust (De8-f7-h5 anstatt De8-h5) gut zu verkraften. Die Position ist sehr komplex und schwer einzuschaetzen, da sich auf beiden Seiten die Bauern noch nicht festgelegt haben und es mehrere kleine Kampfplaetze gibt, z.B. das Zentrum (Feld e4), der Damenfluegel und sogar der Koenigsfluegel. Psychologisch scheint es mir aber einfacher die schwarze Seite zu vertreten, da dieser konkretere Plaene besitzt, z.B. g5,Dh4,Sg4. Fuer Weiss sehe ich nur die Durchsetzung von e2-e4 und es ist nicht klar was er damit erreicht. Die Lage ist objektiv sicherlich ausgeglichen, aber die Initiative geht nach und nach an Schwarz. [ 14...g5 Haette letztendlich ein Tempo gewonnen und waere daher vorzuziehen gewesen.] 15.Sd3 g5 16.b4 Dh5 Der Damenzug soll mit Sg4 eine weisse Schwaeche provozieren. 17.f3? Wartet nicht auf Sg4 und legt lieber sofort den guten Lg2 kalt. 17...Kh8 Der Koenig raeumt die g-Linie und nimmt eventuelle Schachs auf der Diagonalen a2-g8 aus der Stellung. Da Weiss nichts ernsthaftes unternehmen kann, verstaerke ich einfach nach und nach meine Stellung. 18.Tf2 Beugt bereits einem Angriff auf der g-Linie vor. 18...Tbc8! Wie sieht hier die Stellungsbewertung aus? Nach fast 20 Zuegen ist immer noch alles auf dem Brett und die Lage im Zentrum ist ebenfalls noch ungeklaert. Beide Koenige haben ihren Schutz bereits gelockert, aber nur der weisse Koenig steht unter einem gewissen Druck. Durch die schwarze Expansion am Koenigslfuegel konnte sich Schwarz dort Raumvorteil sichern, eine sinnvolle Fortsetzung ist dort aber nicht in Sicht. In so einer Lage hilft es immer sich zu fragen welche Figur nicht mitspielt. Hier wird es Zeit den Sa6 ins Spiel zu bringen und wer genau hinschaut sieht eine schoene Route fuer ihn (Sc7-d5-e3). Ich wollte aber auch fuer ein Oeffnung der c-Linie bereits stehen, da mit einem Turm auf f2 fuer Weiss diese dann nur schwer zu halten ist. Waehrend Schwarz seine schlechte Figuren (Sa6,Tb8) in bessere Positionen bringt, kann Weiss nichts dergleichen unternehmen. Seine schlechten Figuren (La1,Lg2,Tf2) bleiben wo sie sind. Das schwache Feld e3 kann zwar recht leicht verteidigt werden, aber auch das wird seinen Preis kosten. Die schwarze Position ist somit zumindest angenehmer und Weiss sollte unbedingt alles an e4 dran setzen. [ 18...f4?! Sieht gut aus, aber schlaegt noch nicht durch. 19.gxf4 Sc7 ( 19...g4? 20.e4! ) 20.fxg5 und mir ist nicht klar wie es weitergehen sollte. ] 19.Db3 Sc7 Von hier aus kann der Springer eventuell auch zur Unterstuetzung von f5-f4 einspringen (Sc7-e6), worueber ich in der Partie immer wieder nachdachte. 20.cxb5 cxb5 21.Sf1? [ 21.e4! War eindeutig vorzuziehen, wonach der schwarze Vorteil sehr gering ausfaellt.] 21...Le6=/+ Kommt auch noch ins Spiel. 22.Dd1 Scd5 23.Dd2?! [ 23.e4! Auch hier war e4 ein guter Versuch, da die Antwort fuer Schwarz nicht sehr leicht ist. 23...Sb6!=/+ ( 23...fxe4? 24.fxe4 Dxd1 25.Txd1 Sc3 26.Te1 Lc4 27.Lxc3! Lxd3 28.Lb2= Wo sind all die Schwaechen hin?) ] 23...Txc1 24.Dxc1 Tc8 Damit ist der Kampf am Damenfluegel auch fuer Schwarz entschieden. 25.Dd2 Sb6 26.Lb2 Den Zug habe ich auch nicht verstanden, wahrscheinlich wollte Weiss den Bauern a3 vorsorglich decken. 26...Sc4 27.De1 Sxb2 Warum den guten Springer fuer den schlechten Laeufer geben? Nach dem Tausch werden die schwarzen Felder im weissen Lager sehr schwach und somit auch der Bauer d4. Die Bauernstruktur ist immer noch sehr flexibel was fuer das Laeuferpaar sehr angenehm ist. Nebenbei wird der Sb2 auch einen Zug investieren muessen um wieder mitzuspielen. 28.Sxb2 Sd7 29.e3 Sb6 Schon ist der naechste Gaul da. 30.f4 Legt die Bauernstruktur fest und befreit den Laeufer. 30...g4 Natuerlich wird eine spaetere Stellungsoeffnung mit fxg5 vermieden. 31.Da1 Plant a4. 31...De8 Wehrt die Drohung ab und bringt die Dame wieder ins Spiel. Am Koenigsfluegel gibt es ohnehin nichts mehr zu tun. 32.Sd3 Schwarz steht besser, aber wie macht man hier weiter? Weiss hat vorsorglich alle Einbruchsfelder in der c-Linie unter Kontrolle gebracht, er scheint wieder im Geschaeft zu sein. Schwarz besitzt keine konkreten Drohungen und dennoch ist die weisse Position verloren. Weiss hat mit den stabilisierenden Zuegen e3-f4 seinen Lg2 aktiviert und gerade dieser Laeufer haelt die weisse Stellung halbwegs zusammen, daher muss er verschwinden. 32...Ld5! Nebenbei wird jetzt auch das Feld c6 fuer die Dame zugaenglich. 33.Lxd5 Sxd5 34.Da2 Dc6 35.Se1 Dc4 36.Db1 Hier ist ein Moment wie ihn viele bestimmt schon haeufig erlebt haben (ich auf jeden Fall). Schwarz steht auf Gewinn, aber ploetzlich taucht die Drohung Dxf5 und Tc2 auf, welche man schon sehr leicht uebersehen kann. 36...e6 37.Tc2 Sc3 38.Db2 e5 Einfach und huebsch. 39.fxe5 [ 39.Sd2 De2! ( 39...Dc6?? 40.fxe5 dxe5 41.d5 Dc7 42.d6 Dc6 43.Sb1+- zeigt wie pervers Schach sein kann.) 40.Txc3 Dxe1+ 41.Kg2 Te8-+ ( 41...Txc3?? 42.Dxc3= mit der Drohung Dc8xf5 und Dauerschach. Diese Variante berechnete ich in der Partie und ich war mir noch nicht sicher, wie ich auf 39.Sd2 reagieren sollte. ) ] 39...dxe5 40.Tf2 Ein Patzer in hoffnungsloser Lage. 40...Sd1 Der Hollaender und gerade die Leningrader-Variante ergeben haeufig Kampfstellungen, in denen es sehr schwer ist, ein genaues Urteil ueber eine Stellung abzugeben. In dieser Partie kristallisierte sich ein schwarzer Vorteil erst mit 18...Tbc8! heraus, obwohl Weiss zuvor Zuege wie f3 und Tf2 gezogen hat. In der Partie haette Weiss auch des oefteren e2-e4 ziehen koennen, nur gab es gerade am Anfang immer ein Haar in der Suppe zu finden und spaeter fehlte meinem Gegner wohl einfach die Kraft fuer den Zug. Grosse taktische Schlaege kommen in der Partie nicht vor, dennoch hat sie mir persoenlich sehr gefallen, da der Kampf auf dem gesamten Brett stattgefunden hat und die Aktionen zeitlich genau passen mussten. 0-1





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